Belichtung & Großformat · Werkzeug 05

ND- und Reziprozitätsrechner für Film

Über diesen Rechner

Ein ND-Filter verlängert die Belichtung rechnerisch um einen festen Faktor. Bei analogem Film kommt bei langen Zeiten oft noch der Reziprozitätsfehler dazu. Beides nacheinander auf einem Zettel zu rechnen ist möglich – dieses Werkzeug hält die beiden Schritte übersichtlich auseinander.

Du kannst nur den Filter, nur die Filmkorrektur oder beides zusammen berechnen. Hinterlegt sind Profile für ILFORD und Kentmere, Kodak TRI-X und T-MAX, FUJIFILM ACROS II sowie FOMAPAN 100, 200 und 400. Jeder Film verwendet seine eigenen Herstellerangaben. Ein eigener Exponent bleibt für Quellen verfügbar, die ausdrücklich ein Potenzmodell in Sekunden angeben.

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So verwendest du den Rechner

  1. Gib die gemessene Ausgangszeit in Sekunden oder als Bruch ein, zum Beispiel 1/4. Sie darf noch keine Reziprozitätskorrektur enthalten.
  2. Wähle die ND-Einheit sorgfältig: Blendenstufen, optische Dichte und Verlängerungsfaktor sind verschiedene Angaben.
  3. Wähle gegebenenfalls den Film. Das Ergebnis zeigt die Zeit nach ND und danach die korrigierte Filmzeit oder die nötige Blendenöffnung. Bei einer Blendenempfehlung bleibt die angezeigte Zeit nach ND unverändert.

Was hinter der Rechnung steckt

Zeit mit ND = Messzeit × 2^Blenden; ILFORD-Potenzmodell über 1 s: korrigierte Zeit = ND-Zeit^P

Die Reihenfolge ist entscheidend: Zuerst wird die Lichtmenge des Filters berücksichtigt. Erst auf die daraus entstehende lange Belichtungszeit wird das Filmprofil angewandt. Die ILFORD-Profile dieses Rechners benötigen bis einschließlich einer Sekunde keine zusätzliche Korrektur.

Eine optische Dichte von 3,0 bedeutet den Faktor 1.000. Zehn volle Blenden bedeuten dagegen 1.024. Im Alltag liegen die Bezeichnungen oft nah beieinander; mathematisch sind sie nicht identisch. Hier werden sie entsprechend ihrer gewählten Einheit gerechnet.

Reziprozitätskorrektur betrifft mehr als die Helligkeit. Bei sehr langen Belichtungen können sich Kontrast und Bildwirkung ändern. Lichtmessung, Filtertoleranz und wechselndes Umgebungslicht bleiben weitere Unsicherheiten.

Warum nicht für jeden Film dieselbe Formel?

Bei FOMAPAN 100 werden aus gemessenen 10 Sekunden laut Hersteller 80 Sekunden, bei FOMAPAN 200 sind es 90 und bei FOMAPAN 400 60 Sekunden. Das lässt sich nicht sinnvoll durch einen von ILFORD übernommenen Exponenten ersetzen. Zwischen den Zeitstützwerten interpoliert der Rechner doppelt logarithmisch. Das ist eine gekennzeichnete Näherung, keine vom Hersteller geprüfte Formel. Die Tabellenprofile reichen bis 100 Sekunden unkorrigierter Zeit nach ND; außerhalb ihrer Grenzen berechnet der Rechner keinen geratenen Wert.

Kodak nennt für T-MAX an manchen Stellen ausschließlich eine Blendenöffnung. Auch FUJIFILM empfiehlt beim ACROS II ab 120 bis 1.000 Sekunden eine halbe Blendenstufe mehr. Diese Profile zeigen deshalb die benötigte Blendenöffnung bei unveränderter Zeit. Eine solche Empfehlung wird nicht automatisch in eine längere Zeit umgerechnet: Gerade beim Reziprozitätsfehler sind beide Wege nicht beliebig austauschbar. Fehlt Spielraum an der Blende, brauchst du eine erprobte Zeitkorrektur für deinen Film.

ORWO habe ich ebenfalls geprüft. Das über die Herstellerseite verlinkte UN54-Datenblatt enthält keine Korrekturtabelle für lange Belichtungen. Deshalb gibt es hier noch kein automatisches ORWO-Profil. Eine unbelegte Zahl wäre gerade bei aufwendigen Aufnahmen keine Hilfe. Für andere ORWO-Filme darf außerdem nicht einfach die UN54-Emulsion unterstellt werden.

Ein Beispiel zum Nachrechnen

1/4 Sekunde und zehn Blenden ND ergeben zunächst 256 Sekunden. Mit HP5 PLUS und P = 1,31 werden daraus etwa 1.429 Sekunden, also knapp 24 Minuten.

Darauf solltest du achten

  • ILFORD/Kentmere verwenden ein Potenzmodell. TRI-X und Foma verwenden Zeitstützwerte; T-MAX und ACROS II geben hier eine Blendenkorrektur aus. Zwischenwerte sind, wo angegeben, Näherungen.
  • Bereits korrigierte Zeiten nicht erneut korrigieren. Bei fehlendem Filmprofil wird ausdrücklich nur die ND-Verlängerung ausgegeben.
  • Farbverschiebungen von Farbfilm und spektrale Filtereffekte sind nicht eingerechnet.

Häufige Fragen (FAQ)

Berechne ich zuerst den ND-Filter oder den Schwarzschild-Effekt?

Zuerst wird die gemessene Zeit um den ND-Faktor verlängert. Auf diese verlängerte Zeit wird anschließend die filmspezifische Reziprozitätskorrektur angewandt. Eine bereits korrigierte Filmzeit darf nicht noch einmal korrigiert werden. Der Rechner zeigt die beiden Ergebnisse getrennt.

Sind ND 3,0, ND 1000 und zehn Blenden genau dasselbe?

Nicht exakt. Die optische Dichte 3,0 entspricht dem Faktor 1.000; zehn volle Blenden entsprechen 2 hoch 10, also dem Faktor 1.024. Filterbezeichnungen sind nicht immer einheitlich. Wähle im Rechner die tatsächlich gemeinte Einheit und prüfe die Herstellerangabe.

Ab welcher Belichtungszeit muss ich den Schwarzschild-Effekt berücksichtigen?

Das hängt vom Film ab. Bei den hier hinterlegten ILFORD-Potenzprofilen wird bis einschließlich einer Sekunde nicht korrigiert; darüber wird die verlängerte Zeit mit dem jeweiligen Exponenten berechnet. Diese Grenze ist keine universelle Regel: Foma nennt bereits oberhalb einer halben Sekunde Korrekturen, ACROS II dagegen erst ab 120 Sekunden. Maßgeblich ist immer das passende Datenblatt.

Kann ich für jeden Film denselben Reziprozitätsfaktor verwenden?

Nein. Die Abweichung ist filmspezifisch und kann als Potenzmodell oder als Tabelle angegeben sein. Ein eigener Exponent ist hier nur geeignet, wenn die Quelle ausdrücklich das Modell korrigierte Sekunden = gemessene Sekunden hoch P verwendet. Eine Tabelle lässt sich nicht ohne Weiteres durch einen einzelnen Exponenten ersetzen.

Brauche ich die Filmkorrektur auch bei einer Digitalkamera?

Für einen digitalen Sensor wird diese filmspezifische Korrektur nicht verwendet. Wähle den Modus „Nur ND-Filter“. Bei langen Digitalbelichtungen können trotzdem andere Probleme auftreten, etwa Rauschen oder Erwärmung; sie werden durch die hier verwendeten Filmprofile nicht beschrieben.

Warum stimmen Langzeitbelichtungen trotz berechneter Zeit nicht immer exakt?

Die Rechnung setzt eine passende Ausgangsmessung und das richtige Filmprofil voraus. Filtertoleranzen, wechselndes Licht und bei Film auch Kontraständerungen können das Ergebnis beeinflussen. Bei wichtigen Motiven ist eine Belichtungsreihe sinnvoll. Der Rechner korrigiert außerdem keine Farbstiche eines Filters oder Farbfilms.

Warum zeigt T-MAX oder ACROS II eine Blendenöffnung statt einer neuen Zeit?

Die Hersteller geben für diese Profile Blendenkorrekturen an, an manchen Stützstellen ohne korrigierte Belichtungszeit. Behalte die Zeit nach ND bei und öffne die Blende wie angegeben. Eine pauschale Umrechnung in eine längere Zeit wäre beim Reziprozitätsfehler nicht verlässlich. Zeit- und Blendenkorrektur dürfen nicht doppelt angewandt werden.

Was passiert, wenn meine Belichtungszeit außerhalb der Filmdaten liegt?

Bei begrenzten Tabellenprofilen und ACROS II zeigt der Rechner eine verständliche Meldung statt einer geschätzten Filmzeit. Die Grenzen beziehen sich auf die unkorrigierte Zeit nach dem ND-Filter. Beispielsweise liegen 256 Sekunden nach ND bereits außerhalb der hier hinterlegten Foma- und Kodak-Tabellen, obwohl die gemessene Ausgangszeit kurz sein kann. Wähle dann nur die ND-Berechnung und ermittle die Filmkorrektur mit einer passenden Herstellerempfehlung oder eigenen Testaufnahmen.

Weiterlesen & Quellen

Wenn du die Grundlagen vertiefen möchtest, findest du hier passende Erläuterungen.

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